Das Eberhardsfässchen

Das Eberhardsfässchen auf der Kirchturmspitze ist das weit über die Landesgrenzen hinaus bekannte Wahrzeichen der Klausener Wallfahrtskirche.
Die Sage geht auf eine Begebenheit beim Bau der Kirche zurück, die Karl Christoffel in einem Gedicht verarbeitet hat.

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Die Sage vom Eberhardsfass

Auf der Klausener Kirchturmspitze hat ein Fässchen seinen Platz.
Das Klausener Eberhardsfässchen

Üblicherweise thront auf jeder Kirchturmspitze ein Wetterhahn. Doch die Klausener Wallfahrtskirche hat eine Besonderheit zu bieten. Der Klausener Wetterhahn sitzt auf einem Kreuz, welches auf einem Fässchen thront. Ein Weinfass auf einer Kirche, werden Sie sich erstaunt fragen, wie kommt es zu einer solchen Kombination?

Auskunft darüber gibt das folgende Gedicht:

Das Wunderfässchen von Klausen

Von Karl Christoffel

Auf jedem rechten Kirchturm steht
Ein Hahn, der sich im Winde dreht;
In Klausen auf der Kirchturmspitz
hat auch ein Fässchen seinen Sitz.
Wie kommt nur aus der Kellers Gruft
ein Fass hoch droben in die Luft?

Von weit und breit, lang ist es her,
viel Volk zur heiligen Jungfrau Ehr
kommt hergewallt zur Pilgerfahrt
zum frommen Bruder Eberhard.
Fürs Gnadenbild im Waldesbaum
ein Kirchlein ist des Klausners Traum,
dass fürder nicht im wilden Hag
die Himmelsfürstin wohnen mag.
Der Nachbardörfchen treuer Sinn
die Steine schleppt zur Klause hin.
So arm sie sind, sie tun ihr Teil
für Gottesbraut und Seelenheil.

Die Sonne meint es heuer gut ,
die Maurer dürsten in der Glut.
Da stellt ein frommer Mann sich ein,
sein Scherflein ist ein Fässlein Wein.
Es ist nur klein, bald wird es leer,
die trockne Zunge lechzt nach mehr.
Der Klausner, dem' s zu Herzen geht,
fleht zu der Jungfrau im Gebet:
Dich unsrer Not erbarmen woll
und mach das Fässchen wieder voll!
Was all ich tat, geschah für dich ,
nun tu ein bißchen auch für mich!

Wie wunderbar, beim Anstich fliesst
der Wein aufs neue, froh begrüsst,
und strömt nun immer aus dem Spund,
als hätt das Fässchen keinen Grund.
Der Klausner, den die Neugier plagt,
wie langes der Spenderin behagt,
steckt eine Rut ins Spundloch ein
zu sehn, wie hoch noch stünd der Wein.
Doch wer an ihr zu zweifeln wagt,
dem kehrt sich ab die Gottesmagd.
Der Quell versiegt, zu spät die Reu,
und kein Gebet erweckt ihn neu.

Noch manchem Pilgerherz entquillt
ein Wunschgebet zum Gnadenbild:
Würd nur ein Wunderfläschen mein,
es müsst nicht grad ein Fässchen sein!

Aus diesem Grund befindet sich auch heute noch ein Fässchen auf der Kirchturmspitze, welches an diese Begebenheit erinnern soll.